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WissenGlossar

47 Fachbegriffe aus Putz, Wärmedämmung, Brandschutz und Stucco — kurz erklärt für Eigentümer, Architekten und alle, die mit Stuckateuren arbeiten.

A

Armierungsgewebe
Glasfasergewebe, das in den Armierungsmörtel eingebettet wird. Verhindert Risse zwischen Dämmplatten und überträgt Spannungen großflächig.

B

Brandriegel
Mineralwolle-Streifen, der bei EPS-WDVS oberhalb von Geschossdecken eingebaut wird. Verhindert Brandausbreitung in der Dämmebene; ab bestimmten Gebäudeklassen Pflicht.

D

Dämmstärke
Dicke der eingebauten Dämmschicht in Zentimetern. Übliche Werte für moderne WDVS liegen bei 14–20 cm; mehr bringt diminishing returns.
Dehnungsfuge
Bewusste Trennung in Putz oder Trockenbau, die Bauteilbewegung aufnimmt. Verhindert Risse an statisch unruhigen Stellen (Anbauten, Materialwechsel).
Diffusionsoffenheit
Fähigkeit eines Bauteils, Wasserdampf hindurch diffundieren zu lassen. Mineralische Putze und Holzfaser-Dämmstoffe sind diffusionsoffen — wichtig im Altbau.
Dübelung
Mechanische Sicherung der Dämmplatten zusätzlich zum Klebemörtel. Anzahl und Position richten sich nach Plattenformat, Höhe und Windzone.

E

Eckschutzschiene
Profil aus PVC oder Edelstahl, das in den Putz an Außenkanten eingearbeitet wird. Verhindert Abstoßen der Kante und gibt eine saubere Linie.
Energieausweis
Pflichtdokument für Verkauf und Vermietung. Zeigt den Energiebedarf eines Gebäudes auf einer Skala von A+ bis H. Wird vom Energieberater erstellt, nicht vom Stuckateur.
EnEV / GEG
Gebäudeenergiegesetz (GEG, seit 2020) — Nachfolger der Energieeinsparverordnung (EnEV). Setzt Mindestanforderungen an Wärmedämmung und Heizungstechnik bei Neubau und Sanierung.
EPS
Expandiertes Polystyrol (Styropor). Günstiger, leichter Dämmstoff für WDVS, lambda 0,032–0,040 W/(m·K). Brennverhalten B1, nicht für jeden Bautyp geeignet.

F

F30 / F60 / F90
Feuerwiderstandsklassen — die Zahl ist die Mindest-Standzeit in Minuten. F30 für viele Wohnungstrennungen, F90 für Brandwände und Treppenhäuser.
Farbpigment
Anorganisches oder organisches Färbemittel, das in Putz, Kalk oder Bindemittel eingerührt wird. Für Stucco klassisch Erdpigmente und Eisenoxide — UV-stabil.

G

GK / GKB / GKBI
Gipskartonplatten-Typen. GKB ist Standard, GKBI ist imprägniert (Bad/Küche), Feuerschutzplatten heißen GKF/GKFI. Die richtige Wahl hängt vom Raum ab.
Glättputz
Sehr feiner Oberputz, geglättet zur ebenen Fläche. Voraussetzung für streifend belichtete Wände, glänzende Lasuren und hohe Q-Stufen.
Grundputz
Erste Putzlage direkt auf dem Untergrund, meist 10–20 mm. Trägt die Gesamtdicke und sorgt für ebene Fläche. Wird vor dem Oberputz aufgezogen.

H

HBW (Hellbezugswert)
Maß für die Helligkeit eines Farbtons (0 = schwarz, 100 = weiß). Für WDVS-Fassaden ist meist HBW ≥ 20 vorgeschrieben — dunkle Farben heizen sich zu stark auf.
Heizlast
Wärmebedarf eines Gebäudes pro Stunde, in Kilowatt. Grundlage für die Auslegung der Heizungsanlage. Sinkt nach einer Dämmsanierung deutlich.
Holzfaser
Dämmplatte aus verpresster Holzfaser. Diffusionsoffen, sommerlicher Wärmeschutz, aus nachwachsendem Rohstoff. Schwerer und teurer als EPS, aber bauphysikalisch passend für Altbau.

K

Klebemörtel
Mineralischer oder modifizierter Mörtel zur flächigen oder umlaufend-punktuellen Verklebung der Dämmplatten am Untergrund. Erste Befestigungsebene.
kWh/m²a
Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr — Maß für den Heizenergie-Bedarf. Unsanierter Altbau: oft über 200; gut sanierte Bestandsbauten: deutlich darunter.

L

Lambda-Wert
Wärmeleitfähigkeit eines Materials in W/(m·K). Niedrige Werte bedeuten gute Dämmung. Mineralwolle und EPS liegen typisch bei 0,032–0,040.

M

Marmorino
Strukturierterer Verwandter des Stucco Veneziano — Kalk mit gröberem Marmormehl. Wirkt naturstein-ähnlich und fühlbarer, weniger spiegelnd.
Mineralputz
Putz auf rein mineralischer Basis (Kalk, Zement, Kalk-Zement). Sehr diffusionsoffen, langlebig, nicht-brennbar. Klassiker für Altbau-Sanierungen.
Mineralwolle
Sammelbegriff für Glas- und Steinwolle. Nicht brennbar, diffusionsoffen, schalldämmend. Etwas teurer als EPS, aber für viele Bauarten die ehrlichere Wahl.

O

Oberputz
Sichtbare oberste Putzlage, 2–8 mm dick. Bestimmt Optik und Struktur (Reib-, Kratz-, Glätt-Putz) und schützt den Grundputz vor Witterung.

P

Putzträger
Plattenmaterial (Holzwolle, Gipsbauplatte, Kalk-Kasein-Faserplatte), das auf nicht-tragfähigem Untergrund verputzt werden kann. Brücke zwischen Wand und Putz.

Q

Q1–Q4 (Qualitätsstufen)
Vier Stufen für die Oberflächengüte von Innenputz und Spachtel. Q1 ist grob (für Fliesen), Q4 ist glatt (für glänzende Lasuren oder streifende Beleuchtung). Stuck Lenz bietet im Standardprogramm Q1 bis Q3 an; Q4 wird projektbezogen im Stucco-Veneziano-Workflow eingebunden.

R

REI-Klassen
Europäische Klassifizierung des Feuerwiderstands. R = Tragfähigkeit, E = Raumabschluss, I = Wärmedämmung. Die Zahl steht wieder für Minuten — z.B. REI 90.

S

Saugfähigkeit
Wie schnell ein Untergrund Wasser zieht. Stark saugende Untergründe entziehen dem Putz Anmachwasser — eine Grundierung gleicht das aus.
Schalldämmmaß Rw
Bewertetes Schalldämmmaß einer Wand oder Decke in Dezibel. Wohnungstrennwände müssen heute mind. Rw = 53 dB erreichen; bessere Aufbauten schaffen 60+ dB.
Schienensystem
Sockelschiene aus Aluminium am unteren Wandanschluss. Trägt die unterste Plattenreihe, definiert die Flucht und schützt die Plattenkante.
Silikatputz
Mineralputz mit Wasserglas als Bindemittel. Stark diffusionsoffen, alkalisch (algen- und pilzhemmend), eignet sich für Altbau und denkmalgeschützte Fassaden.
Silikonharzputz
Organisch gebundener Putz mit Silikonharz-Anteil. Wasserabweisend, schmutzunempfindlich, gut für freistehende Häuser in Wetterlagen — geringere Diffusionsoffenheit als Mineralputz.
Sockelputz
Spezieller, wasserabweisender Putz im erdberührten Bereich. Schützt vor Spritzwasser, Bodenfeuchte und mechanischer Belastung. Meist mit höherem Zement-Anteil.
Spachteltechnik
Sammelbegriff für mehrlagiges Auftragen und Glätten von Spachtelmasse oder Edelputz. Ergebnis je nach Werkzeug und Anzahl der Lagen sehr unterschiedlich.
Steinwolle
Mineralwolle aus Basalt-Schmelze. Druckfester als Glaswolle, deshalb gut für Fassadendämmung. Nicht brennbar, A1-Klasse.
Strukturputz
Oberputz mit fühlbarer Struktur (Reibe-, Kratz-, Modellier-Putz). Erzeugt durch Korn-Größe und Werkzeugführung; kaschiert kleine Untergrund-Unebenheiten.
Stucco Veneziano
Mehrlagiger, von Hand polierter Kalk-Spachtel mit Marmormehl. Erzeugt eine glatte, leicht schimmernde Oberfläche mit Tiefenwirkung. Klassische italienische Technik.
Sumpfkalk
Mit Wasser eingesumpfter Branntkalk, mehrere Monate gelagert. Bindemittel für traditionellen Kalkputz und Stucco Veneziano — sehr diffusionsoffen, kalkhärtend an Luft.

T

Tadelakt
Marokkanischer Sumpfkalk-Putz, mit Olivenseife wasserabweisend gemacht. Geeignet für Bäder und Spritzbereiche; lebendige, leicht wolkige Oberfläche.
Taupunkt
Temperatur, bei der die Luft den Wasserdampf nicht mehr halten kann und Kondensat ausfällt. Liegt der Taupunkt im Wandquerschnitt, droht Bauschaden.
Trittschall
Geräusch, das durch Schritte oder Stoß auf einer Decke entsteht und sich als Körperschall ausbreitet. Wird durch entkoppelte Estriche und federnd abgehängte Decken reduziert.

U

U-Wert
Wärmedurchgangskoeffizient. Gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Kelvin durch ein Bauteil verloren geht. Übliche Werte für moderne Außenwände liegen bei 0,2–0,3 W/m²K.
Untergrundprüfung
Klopf-, Wisch- und Saugfähigkeits-Prüfung vor Putzauftrag. Entscheidet über Vorbehandlung (Grundierung, Haftbrücke, Sanierputz). Wichtigster Schritt jeder Sanierung.

V

Vorsatzschale
Trockenbauwand vor einer Bestandswand, mit Mineralwolle gefüllt. Bringt 8–15 dB mehr Schalldämmung; gängige Lösung für nachträglichen Schallschutz.

W

Wärmebrücke
Stelle in der Gebäudehülle mit erhöhtem Wärmeverlust, etwa an Balkonanschlüssen oder Fensterleibungen. Wärmebrücken kühlen aus und sind häufige Schimmel-Ursachen.
WDVS
Wärmedämmverbundsystem — geklebte und gedübelte Dämmplatten mit Armierung und Oberputz auf der Außenwand. Standard-Methode für Bestand-Außenwand-Dämmung.