
Sanierung & Altbau
Altbausanierung im Bergischen Land — was ist anders?
Schiefer, Schlagregen und Gründerzeit-Mauerwerk — was Hausbesitzer in Remscheid, Wuppertal und Solingen bei der Altbausanierung beachten sollten.
Eine Altbausanierung im Bergischen Land ist nicht dasselbe wie eine Sanierung im Rheintal. Klima, Bauweise und regionale Materialtraditionen prägen die Häuser hier so deutlich, dass Standardlösungen aus dem Katalog oft daneben greifen. Dieser Beitrag bündelt, was wir in über 120 Jahren Stuck-Lenz-Geschichte über die Eigenheiten der Region gelernt haben — und worauf Sie als Eigentümer achten sollten.
Klimatische Besonderheiten
Das Bergische Land liegt in einer Niederschlagszone, die spürbar mehr Regen abbekommt als das Umland. Der Schlagregen aus westlichen Wetterlagen trifft Fassaden in Remscheid, Wuppertal und Solingen mit Wucht. Hinzu kommen häufige Frost-Tau-Wechsel im Winter und vergleichsweise viele bewölkte Tage. Das hat zwei direkte Konsequenzen:
- Fassaden bleiben länger feucht. Algen, Pilze und langsamer Putzabtrag sind häufige Folgen.
- Frost-Tau-Wechsel sprengt Putze und Mauerwerk in absehbarer Zeit, wenn nicht hochwertig ausgeführt wurde.
Die Konsequenz für die Sanierung: Putze und Beschichtungen müssen schlagregenresistent, frostbeständig und idealerweise diffusionsoffen sein, damit eingedrungene Feuchte wieder austrocknen kann.
Die Schiefer-Tradition
Eine Besonderheit der Region ist die Schieferverkleidung. Viele historische und auch jüngere Häuser in Remscheid und Umgebung tragen ganz oder teilweise Schiefer auf der Wetterseite. Schiefer ist ein hervorragender Wetterschutz — er nimmt kaum Wasser auf, trocknet schnell und hält jahrhundertelang.
Wichtige Konsequenz: Wenn ein Haus eine intakte Schieferfassade hat, sollte sie nicht ohne dringenden Grund entfernt oder überdämmt werden. Eine Innendämmung ist hier oft die bauphysikalisch ehrlichere Lösung als ein WDVS, das den Schiefer überdeckt.
Typisches Mauerwerk
In den Gründerzeit-Vierteln finden sich häufig Vollziegel- oder Kalksandstein-Wände, oft 30 bis 38 cm dick, ein- oder zweischalig. Diese Wände sind massiv, aber energetisch nach heutigen Maßstäben schwach. In den 60er- und 70er-Jahren kamen Hohlblock- und Bims-Wände hinzu, die thermisch besser, aber weniger stabil sind. Ab den 80er-Jahren wurden zweischalige Konstruktionen mit Luftschicht oder Kerndämmung gebaut.
Die Sanierungsstrategie hängt direkt vom Mauerwerk ab:
- Einschaliges Vollmauerwerk — meist gut für ein WDVS geeignet, alternativ Innendämmung bei Schiefer- oder Klinker-Optik.
- Zweischaliges Mauerwerk — oft hervorragend für Kerndämmung im Hohlraum geeignet, deutlich günstiger als ein WDVS.
- Hohlblock und Bims — meistens WDVS sinnvoll, weil die Materialien selbst nur mäßig dämmen.
Putze und Mörtel im Altbau
Historische Putze sind häufig Kalkputze oder Kalk-Zement-Putze. Sie sind diffusionsoffen, weicher als moderne Zement-Putze und in der Regel mineralisch. Beim Sanieren sollte man das berücksichtigen:
- Reine Zementputze auf weichem Bestand führen oft zu Rissbildung — der härtere Putz arbeitet nicht im Takt mit dem weicheren Untergrund.
- Kalk- oder Kalk-Zement-Putze sind die bauphysikalisch passende Wahl bei den meisten Altbauten in der Region.
- Sumpfkalk-Mörtel für historische Fassaden — eine Spezialität, die wir bei Stuck Lenz nach den traditionellen Regeln anwenden.
Innenräume mit Geschichte
Im Inneren finden wir bei Sanierungen oft Stuckdecken, Putzleisten, originale Türrahmen-Profile und gedrehte Stuckelemente. Bei diesen Elementen lohnt es sich, sorgfältig zu arbeiten — sie sind Teil der Identität des Hauses und einmal entfernt, kommen sie kaum zurück. Wir restaurieren Stuckdecken bevorzugt, statt sie hinter abgehängten Decken zu verstecken.
Bei den Wänden ist Q2 die übliche Stufe für Wohnräume. Wo Stuck oder besondere Endbeschichtungen geplant sind, geht es üblicherweise auf Q3 — den praxisbewährten Top-Standard für Wohnräume. Der Putzgrund — Kalk oder Lehm — sollte zur Bausubstanz passen.
Energetische Sanierung — was zuerst?
Eine Faustregel aus der Praxis:
- Erst die Hülle dichten, dann die Heizung tauschen. Eine moderne Wärmepumpe braucht eine gut gedämmte Hülle, sonst arbeitet sie ineffizient.
- Dach und Kellerdecke dämmen — die wirtschaftlich effektivsten Schritte vor der Außenwand.
- Fenster prüfen — sehr alte Einfachverglasungen erst tauschen, dann WDVS planen.
- Außenwand — als ohnehin teurer Schritt am besten zusammen mit anstehenden Fassadenarbeiten.
Denkmalschutz beachten
In den Innenstädten von Remscheid, Wuppertal und Solingen stehen viele Bauten unter Denkmalschutz oder sind Teil von Erhaltungssatzungen. Vor jeder Außenmaßnahme sollte daher mit der unteren Denkmalbehörde geklärt werden, was zulässig ist. Häufig sind WDVS untersagt, dafür sind alternative Lösungen (Innendämmung, Sumpfkalk-Putz, traditionelle Pigmente) erlaubt — manchmal sogar gefördert.
Förderung
Bestimmte energetische Sanierungsschritte können förderbar sein. Die Antragstellung liegt beim Eigentümer und sollte vor Baubeginn erfolgen. Insbesondere bei Altbauten lohnt sich eine unabhängige Energieberatung, weil dort sowohl die Bauphysik als auch die Förder-Optionen geprüft werden.
Worauf wir besonders achten
Bei jeder Altbausanierung machen wir vier Kontroll-Punkte:
- Bauphysikalische Stimmigkeit — ist das geplante Maßnahmen-Bündel mit der Bausubstanz verträglich?
- Schadensursachen — was hat den heutigen Zustand verursacht? Ohne Ursachenklärung wiederholt sich das Problem.
- Reversibilität — können künftige Generationen die Maßnahmen ggf. wieder zurückbauen oder anpassen?
- Materialwahl — passen die neuen Materialien zur historischen Bausubstanz?
Häufige Fragen
Lohnt sich eine WDVS bei einem Schieferhaus?
Meistens nein. Schiefer ist ein hervorragender Wetterschutz, ein WDVS würde diesen verdecken und das Erscheinungsbild der Region verändern. Innendämmung ist hier die bessere Lösung.
Was tun mit alten Stuckdecken?
Wenn sie statisch in Ordnung sind: erhalten und restaurieren. Eine fachgerechte Aufarbeitung ist günstiger als oft gedacht und steigert den Wert des Hauses spürbar.
Wie lange dauert eine umfassende Altbausanierung?
Je nach Umfang zwischen wenigen Wochen (Fassadensanierung allein) und mehreren Monaten (energetische Komplettsanierung mit Innenausbau). Wir planen die Schritte mit Ihnen so, dass möglichst wenig Doppelarbeit entsteht.
